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WÜTEN

“Ich will aber einen ganzen Keks!!! Den will ich nicht!!! Bring mir jetzt sofort einen heilen!!! Du doofe Mama!!!“ Wenn Kinder Wutanfälle haben, bringen sie ihre Eltern meist sehr in Not damit. Im Gegensatz zum Weinen ist ein Wutanfall noch das größere Tabu in unserer Kultur. „Die Eltern müssen ihr Kind in den Griff kriegen“ oder „Das Kind tanzt den Eltern auf der Nase herum. Das muss man ihm abgewöhnen.“, sind unausgesprochene oder auch ausgesprochene Meinungen des Umfeldes.

 

Was aber, wenn der Wutausbruch noch einen ganz anderen Hintergrund hat? Nämlich den, dass Dein Kind gerade voller Stress ist – einfach alles zu viel – reizüberflutet. Die Not in Worte packen, geht noch nicht und dieser Stress bricht einfach aus ihm heraus …

 

Es wütet – entlastet sich dadurch – und danach ist die Welt wieder in Ordnung.

 

Sicherlich kennst Du es, als Mutter oder Vater ein wütendes, völlig aufgelöstes Kind vor Dir zu haben, das für Deine Worte oder Beruhigung überhaupt nicht zugänglich ist. Aber mit einem Mal – und das kann nach 5, 10 oder 20 Minuten sein – ist es fertig mit Wüten, geht seines Weges und spielt friedlichst weiter. Kommt Dir das bekannt vor? Nun, Du hast hier einen typischen „broken cookie“-Effekt erlebt.

 

Das zerbrochene Keks-Syndrom

 

Der „zerbrochene Keks“ steht für die Kleinigkeit, die die Explosion aufgestauter Dinge ausgelöst hat. Dein Kind ist gestresst – nehmen wir an, es ist 4 oder 5 Jahre alt. Gleich am Morgen gab es Stress, weil die Lieblingshose in der Wäsche war. Dein Kind konnte außerdem vor dem Kindi nicht mehr spielen, denn Du musstest direkt nach dem Bringen zu einem Termin und hattest keine Zeit zum Warten. Im Kindergarten gab es im Laufe des Vormittags auch einige Ereignisse, die unangenehm bis stressig waren: Es durfte bei seinen Freunden nicht mitspielen, es wurde geschubst, es war ihm zu laut und als es dann doch ins Spielen gefunden hat und es gerade am schönsten war, mussten alle aufräumen. Beim Abholen kam der Papa als Letzter (was noch nie vorkam) und Dein Kind hatte solche Angst, dass es heute vergessen würde.


Dieses gestresste Kind möchte nun von Dir einen Keks nach dem Mittagessen, es ist aber nur noch ein Keks in der Dose und der ist zerbrochen! Dein Kind wirft sich wütend und schreiend auf den Boden, weil es keinen zerbrochenen Keks haben will. Der Keks ist der Tropfen, der das (Stress-)Fass Deines Kindes zum Überlaufen bringt.

Ok zugegeben, ist nicht so schön, so ein Wutanfall, so ein nicht erreichbares, wütendes, schreiendes Kind … vor allem nicht in der Öffentlichkeit. Und unsere erste natürliche Reaktion ist immer, diesen Ausbruch zu stoppen. Der passt nicht in unsere rationale Erwachsenenwelt und stört einfach nur.

 

Was kannst du beim nächsten Wutausbruch deines Kindes tun?

 

Aber wenn es das nächste Mal zuhause passiert, dann haben wir folgenden Vorschlag:
Atme tief durch, suche in dir einen ruhigen Ort und bleibe bei Deinem wütenden Kind.
– Atmen – Dabeibleiben – Nichts sagen, außer vielleicht mit warmer Stimme: „Oh je, ich sehe, da tobt etwas in dir. Da ist so viel faule Energie und die will raus.“

Oder…

„So viel Wut, die mit starken Worten raus muss. … Ich sehe, da hat etwas für dich nicht funktioniert.“

 

Nichts tun, außer dabei bleiben – und schauen, was passiert…


Hört Dein Kind von selbst auf mit Wüten? Wie geht es ihm danach? Und wie geht es Dir?

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